Kirchturm Stadtpfarrkirche Retz

Retz

Kirchenpatron ist der heilige Stephanus, welcher auch auf dem Hochaltarbild dargestellt ist.

Die Stadtpfarrkirche von Retz wird am 27.12.1200 im Zwettler Stiftungsbuch erstmals urkundlich erwähnt. Sie gehörte damals zur Passauer Diözese. Mitte des 13. Jahrhunderts ist die Pfarrkirche als „Landesfürstlich“ nachweisbar. 1361 übergab sie Herzog Rudolf IV. im Tauschweg an das Chorherrenstift St. Pölten. 1425 erlebte Retz einen fürchterlichen Hussitenkrieg, dem die Pfarrkirche zum Opfer fiel. Sie versank in Schutt und Asche. 1430 begann man mit dem Wiederaufbau. Sie wurde vor allem im spätgotischen Stil erbaut. Den nächsten schweren Schlag erlebte die Kirche 1645: Das war das sog. Schwedenjahr. Die Schweden griffen die Stadt an. Die Kirche brannte völlig ab. Der Turm an der Nordseite der Kirche musste zur Gänze abgetragen werden. Die Kirche erhielt ein neues Schindeldach. Sie stand allerdings ganze zehn Jahre ohne Turm da.

Von 1698-1728 barockisierten die St. Pöltner Prälaten Christoph Müller und sein Nachfolger Johann Michael Führer die Stadtpfarrkirche. Sie gaben der Kirche die gegenwärtige Form. 1701-1713 erfolgte der Wiederaufbau des Turmes durch den berühmten Baumeister Jakob Prandtauer. Er war von vielen Unterbrechungen geprägt. Der Pfarrhof und Schüttkasten wurde zwischen 1698-1702 ebenfalls durch Prandtauer erbaut. 1713 erfolgte die Weihe der „Großen Glocke“. 1721-1728 wurde der Hochaltar nach Osten verlängert. Außerdem wurde die komplette Kirche neu gewölbt. Die Kirche wurde weiters durch zwei Sakristeien, Grab, Kanzel und Chor erweitert. Der Friedhof, der sich damals um die Kirche befand, und der Pfarrgarten wurden mit einer Mauer umfasst. Deren Tore wurden mit Sandsteinstatuen geziert. Natürlich war durch den Bau das Stift schwer verschuldet. Vor allem unter Josef II. hatten diese Schulden schwere Folgen. Das Vermögen der Pfarre wurde eingezogen und ging in den Besitz des staatlichen Religionsfonds über. Ab 1812 begann die Serie der Priester der Erzdiözese Wien. Hervorzuheben ist vor allem der Pfarrer Vinzenz Weintridt. Unter ihm wurde die Pfarrkirche restauriert. Auch seine Maler-Freunde Schwind und Kupelwieser trugen ihren Teil dazu bei: 1852 wird das Hochaltarbild durch Kupelwieser gemalt.

1881 wird der Friedhof um die Kirche, der 800 Jahre in Verwendung war, gesperrt und ein neuer Friedhof wird geweiht. 1907/08 wird die zweite Gesamtrenovierung unter Dechant Leopold Rößler durchgeführt. 1909 wird der ehemalige Friedhof zu einem Kirchenpark umgestaltet. 1916 musste aufgrund der allgemeinen Materialknappheit ein Teil der Kupfereindeckung zwangsweise abgeliefert werden. 1917 musste außer der großen Glocke das gesamte Geläute aus 1713 geopfert werden. 1919 wurden als Ersatz zwei Stahlglocken gekauft, die bis heute in Verwendung sind. 1943 brannte der Dachstuhl der Kirche nieder. 1945 erlitt die Kirche durch Bombenabwürfe Schäden. Die Barockorgel musste ausgetauscht werden. 1955 wurde das Pfarrheim gebaut. Zwischen 1962 und 1974 wurden die schweren Schäden beseitigt und eine Renovierung durchgeführt. Außerdem wurde die Ölheizung und ein elektrisches Geläut installiert. Zwischen 1980 und 1986 wurde abermals eine Außenrenovierung durchgeführt.

Markus Attorf

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