Ministrantenwallfahrt nach Rom 2014
Tag 03: Bei Papst Franziskus zu Besuch

Dienstag, 5. August 2014
Begegnung der Ministranten mit Papst Franziskus

Aufienz bei Papst Franziskus

Rund 50.000 Ministranten sind am Dienstag, den 5. August 2014 bei einer Audienz auf dem Petersplatz mit Papst Franziskus zusammengetroffen. Manche Gruppen waren schon am frühen Vormittag eingetroffen und nutzten den Tag zu einer ausgiebigen Besichtigung des Petersdoms. Der Aufstieg auf die Kuppel des Petersdoms war natürlich der große Renner!

Audienz bei Papst Franziskus

Ab 16 Uhr war dann Musik und Action am Petersplatz angesagt, gestaltet von den deutschen Bistümern und natürlich auch von der Erzdiözese Wien.

Audienz bei Papst Franziskus

Nach der ausgiebigen Petersplatz-Rundfahrt des Hl. Vaters im Papamobil ab 18 Uhr und einer Begrüßung auch auf Deutsch sprach Papst Franziskus in der anschließenden Vesper davon, dass viele Menschen voll Sehnsucht nach Jesus sind und auf seine freimachende Botschaft, die sie nicht kennen, warten. Als Ministranten haben wir da eine Aufgabe, die weit über den Dienst am Altar hinausgeht: wir dürfen durch unser Leben von Jesus erzählen. Wer von ihm erzählen will, der muss ihn aber auch kennen! Er hat uns ermutigt, unsere Zeit gut einzuteilen und das große Geschenk der Freiheit gut zu gebrauchen, sodass uns die Freiheit nicht von Gott wegführt, sondern unsere Freiheit vom Evangelium geprägt ist!

Als die Zeit erfüll war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen.” Gal 4,4-5

Die Predigt des Heiligen Vaters

Papst Franziskus predigt auf Deutsch.

»Das Wort des heiligen Paulus aus dem Galaterbrief, das wir eben gehört haben, lässt uns aufhorchen. Die Zeit ist reif, sagt Paulus. Jetzt macht Gott Ernst. Was Gott den Menschen schon immer mit den Worten der Propheten sagen will, das macht er nun an einem schlagenden Beispiel deutlich. Gott macht uns klar, dass er der gute Vater ist. Und wie macht er das? Wie macht er das? Dadurch, dass er seinen Sohn Mensch werden lässt. An diesem konkreten Menschen Jesus können wir kapieren, was Gott eigentlich meint. Er will Menschen, die frei sind, weil sie sich als Kinder eines guten Vaters immer geborgen wissen.

Um dies zu verwirklichen, braucht Gott nur einen Menschen. Er braucht eine Frau, eine Mutter, die seinen Sohn als Mensch zur Welt bringt. Das ist die Jungfrau Maria, die wir mit dieser Vesper heute Abend ehren. Sie war ganz frei. In ihrer Freiheit hat sie Ja gesagt. Sie hat für immer das Gute getan. So hat sie Gott und den Menschen gedient. Sie hat so Gott und den Menschen gedient. Halten wir uns ihr Beispiel vor Augen, wenn wir wissen wollen, was Gott von uns als seinen Kindern eigentlich erwartet.«

Im Gespräch mit dem Heiligen Vater

Im Anschluss konnten Jugendliche dem Heiligen Vater auch Fragen stellen. Je ein Ministrant pro teilnehmender Diözese konnte sich in der Fragerunde direkt an den Heiligen Vater wenden.

Audienz bei Papst Franziskus

Die Fragen der Jugendlichen lauteten:

Frage 1: Heiliger Vater, im Herbst des letzten Jahres haben Sie die das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium herausgegeben. Darin erinnern Sie an die Dringlichkeit, dass die Jugendlichen mehr zur Geltung kommen im Leben der Kirche (Evangelii gaudium 106). Wie können die Jugendlichen, Ihrer Meinung nach, mehr zur Geltung kommen?

Frage 2: Heiliger Vater, mir gefällt es sehr Ministrant zu sein. Aber manchmal ist es nicht so einfach. An manchen Sonntagen würde ich gerne länger ausschlafen, ein anderes Mal sind es Verpflichtungen anderer Art, beispielsweise des Sports oder der Musik, und wie immer ich mich entscheide, habe ich Gewissensbisse. Weiter verstehen auch einige meiner Freunde nicht, warum ich Ministrant bin, und sie nehmen mich auf den Arm oder reagieren mit Unverständnis, wenn ich wegen meiner Verpflichtung keine Zeit für anderes habe. Können Sie mir einen Rat geben, wie ich damit umgehen kann?

Frage 3: Heiliger Vater, das Motto der Wallfahrt „Frei. Darum ist es erlaubt, Gutes zu tun“ bezieht sich auf die Stelle im Evangelium, im dem Jesus einen Mann heilt, dessen Hand verdorrt war (Mt 12,9-14), so dass dieser sein Leben buchstäblich wieder in die Hand nehmen konnte. In dieser Erzählung verweist Jesus auf das Herz des Sabbats: Gott macht uns frei, damit wir Gutes tun in unserem Leben und in unserer Umgebung. Mein Alltag bewegt sich innerhalb von Regeln in der Schule oder in den Ausbildungen, mit meinen Eltern und auch in der Kirche. Wie kann ich in meinem Leben erfahren, dass der Glaube Freiheit bedeutet?

Frage 4: Heiliger Vater, hier ist es für uns alle leicht, Freiheit zu spüren. Aber wenn wir wieder zu Hause sein werden, wird alles anders sein. Wie kann ich diese Freiheit im Alltag leben?

 

Die Antworten des Heiligen Vaters lauteten wie folgt:

»Ihr fragt mich, was ihr tun könnt, um in der Kirche mehr zur Geltung zu kommen, und was die christliche Gemeinde von euch als Ministranten erwartet. Zu allererst erinnern wir uns daran, dass die Welt Menschen braucht, die den anderen bezeugen, dass Gott uns liebt und dass er unser Vater ist. In der Gesellschaft hat jeder Einzelne die Aufgabe, dem Gemeinwohl zu dienen, indem er zu den lebensnotwendigen Dingen beiträgt: Nahrung, Kleidung, medizinische Versorgung, Ausbildung, Nachrichten, Rechtswesen usw. Wir Jünger des Herrn haben eine weitere Aufgabe, nämlich die, „Kanäle“ zu sein, welche die Liebe Jesu weitergeben. Und in dieser Aufgabe habt ihr, Jugendliche und junge Erwachsene, eine besondere Rolle: Ihr seid aufgerufen, euren Altersgenossen von Jesus zu erzählen – nicht nur innerhalb der Pfarrgemeinde oder eures Verbandes, sondern vor allem außerhalb. Das ist eine Aufgabe, die besonders euch zukommt, weil ihr mit eurem Mut, mit eurer Begeisterung, mit eurer Spontaneität und Kontaktfreudigkeit leichter das Denken und das Herz derer erreicht, die sich vom Herrn entfernt haben. Viele junge Menschen eures Alters haben ein ungeheures Bedürfnis nach jemandem, der ihnen mit seinem Leben sagt, dass Jesus uns kennt, dass Jesus uns liebt, dass Jesus uns verzeiht, mit uns unsere Schwierigkeiten teilt und uns mit seiner Gnade unterstützt.

Aber um mit den anderen über Jesus zu sprechen, müssen wir ihn kennen und lieben, ihn im Gebet und im Hören seines Wortes erfahren. Darin seid ihr im Vorteil wegen eures liturgischen Dienstes, der euch erlaubt, Jesus, dem Wort und dem Brot des Lebens, nahe zu sein. Ich gebe euch einen Rat: Das Evangelium, das ihr in der Liturgie hört, lest es noch einmal für euch selbst, im Stillen, und wendet es auf euer Leben an. Und mit der Liebe Christi, die ihr in der heiligen Kommunion erhalten habt, werdet ihr es in die Tat umsetzen können. Der Herr ruft jeden von euch, auf seinem Feld zu arbeiten. Er ruft euch, frohe Akteure in seiner Kirche zu sein, die bereit sind, ihren Freunden weiterzusagen, was er euch mitgeteilt hat, besonders seine Barmherzigkeit.

Ich verstehe eure Schwierigkeiten, euren Ministrantendienst mit euren anderen Aktivitäten zu vereinbaren, die für euer menschliches Erwachsenwerden und eure kulturelle Bildung nötig sind. Da muss man sich ein bisschen organisieren, die Dinge in ausgewogener Weise planen … aber ihr seid Deutsche, und das klappt bei euch! Unser Leben besteht aus Zeit, und die Zeit ist ein Geschenk Gottes, darum muss man sie für ein gutes und fruchtbares Tun einsetzen. Vielleicht vergeuden so manche junge Menschen zu viele Stunden mit unnützen Dingen: Das können das Chatten im Internet oder mit dem Handy oder auch die Fernsehserien sein. Die Produkte des technologischen Fortschritts, die eigentlich das Leben vereinfachen oder seine Qualität verbessern sollten, lenken manchmal die Aufmerksamkeit von dem ab, was wirklich wichtig ist. Unter den vielen Dingen, die zu unserer täglichen Routine gehören, sollte es vorrangig sein, uns an unseren Schöpfer zu erinnern, der uns leben lässt, der uns liebt und der uns auf unserem Lebensweg begleitet.

Eben weil Gott uns nach seinem Bild geschaffen hat, haben wir von ihm auch dieses große Geschenk der Freiheit erhalten. Wenn wir die Freiheit aber nicht gut gebrauchen, kann sie uns von Gott weit weg führen, kann uns die Würde verlieren lassen, die er uns verliehen hat. Daher sind Orientierungshilfen, Anweisungen und auch Regeln nötig – sowohl in der Gesellschaft, als auch in der Kirche – um uns zu helfen, den Willen Gottes zu tun und auf diese Weise entsprechend unserer Würde als Menschen und als Kinder Gottes zu leben. Wenn die Freiheit nicht vom Evangelium geprägt ist, kann sie sich in Sklaverei verwandeln: in die Sklaverei der Sünde. Unsere Stammeltern, Adam und Eva, haben sich vom göttlichen Willen entfernt und sind so in die Sünde gefallen, also in einen schlechten Gebrauch der Freiheit. Liebe junge Freunde, gebraucht eure Freiheit nicht falsch! Vertut nicht eure große Würde als Kinder Gottes, die euch geschenkt ist. Wenn ihr Jesus und seinem Evangelium folgt, wird eure Freiheit sich entfalten wie eine blühende Pflanze und gute sowie reichhaltige Frucht bringen. Ihr werdet die echte Freude finden, weil Gott will, dass wir vollkommen glücklich und sinnerfüllt sind. Nur wenn wir uns dem Willen Gottes fügen, können wir das Gute vollbringen und Licht der Welt wie auch Salz der Erde sein! 

Die Jungfrau Maria, die sich als „Magd des Herrn“ (Lk 1,38) verstanden hat, sei euer Vorbild im Dienst für Gott. Sie, unsere Mutter, helfe euch, in der Kirche und in der Gesellschaft Akteure des Guten und Arbeiter für den Frieden zu sein, junge Menschen, die von Hoffnung und Mut erfüllt sind.« 

 

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