Das Hoch-Fest vom Leib und Blut des Herrn

Fronleichnam (= mhd. Fron-Lichnam = der Herren-Leib) – der lebende Leib ist gemeint.

 

Wie das Fest Fronleichnam entstand

Wir gehen zurück in das Jahr 1202 in ein Kloster in der Nähe der Stadt Lüttich in Belgien. Mitten unter den Nonnen lebt da ein neunjähriges Mädchen. Sie heißt Juliana. Vor vier Jahren sind ihre Eltern gestorben. Sie hatte keinen Menschen mehr auf der Welt. Da haben die Schwestern sie bei sich aufgenommen. Schwester Sapientia, die im Wirtschaftshof des Klosters für das Vieh zu sorgen hatte, nimmt das Mädchen unter ihre Fittiche.

So wächst Juliana unter Kühen, Schweinen, Hühnern und Gänsen auf. Bald hilft sie, so gut sie kann. Oft unterhält sie sich mit Schwester Sapientia. Ihre Fragen nehmen gar kein Ende. Juliana lässt nicht locker. Sie lernt Latein und lernt Lesen. Was sie gelernt hat, erzählt sie ihren Freunden, den Tieren. Und auch die Psalmen, die sie auswendig kann, singt sie ihnen vor. Wenn sie Zeit hat, geht die kleine Stallmagd in die Bibliothek und liest in den alten Folianten. Sie hat ein glänzendes Gedächtnis und behält fast alles. Manchmal, wenn gegen Abend die Arbeit getan ist, sieht man sie im Dorf am Brunnen sitzen. Da übersetzt sie den Kindern und Erwachsenen, die da versammelt sind, die lateinischen Texte, die sie auswendig kann, ins Flämische. Einen Ort haben wir noch nicht genannt, den sie über alles liebt: die Kirche des Klosters. Wie sie zum ersten Mal gehört hat, dass Jesus in der Gestalt des Brotes unter uns gegenwärtig ist, da war sie ganz tief in ihrem Herzen davon gepackt. Und der Kirche vor dem Tabernakel sein, ohne dass es ihr langweilig wurde. Und was sie in der Bibliothek über die Eucharistie las, das behielt sie doppelt so gut wie alles andere. So vergehen die Wochen, die Monate und die Jahre. Juliana bewirbt sich mit vierzehn Jahren um die Aufnahme ins Kloster. Das wird genehmigt. An ihrem Leben ändert sich nicht viel. Sie bleibt beim Vieh, redet mit ihm lateinisch und geht, so oft sie kann, zu Jesus in der Gestalt des Brotes. Jeder Kommuniontag (damals ging man nicht so oft zur heiligen Kommunion) ist für sie ein Festtag.

Eines Tages, Juliana ist sechzehn Jahre alt, kommt ihr in der Kirche ein seltsames Bild vor Augen: Ein Vollmond mit einem schwarzen Fleck. Was soll das Bild? Sie denkt darüber nach. Immer wieder sieht sie den Mond mit dem schwarzen Fleck. Und dann erkennt sie die Bedeutung des Bildes: Unter den Festen des Kirchenjahres fehlt ein Fest von der Gegenwart des Herrn in der Brotgestalt. Am liebsten möchte sie gleich allen diesen Gedanken erzählen. Aber sie behält ihn für sich. Sie weiß, alle würden sie auslachen. Es gibt doch schon so viele Feste. Nur ihrer Freundin erzählt sie es. Als Juliana 37 Jahre alt ist, wird sie zur Oberin des Klosters gewählt. Es ist das Jahr 1230. Nun erzählt sie von dem Mond mit dem Fleck. Nun sagt sie, Gott wolle ein Fest vom Leib des Herrn. Sie wird ausgelacht, sie wird beschimpft. Aber sie bleibt bei ihrer Meinung. Sogar ihre Mitschwestern wenden sich fast alle gegen sie. Oft - denkt sie ‑ mit Tieren ist besser reden…

Einige Jahre hält sie stand. Dann flieht sie mit einigen Schwestern aus dem Kloster. Jahrelang ist sie unterwegs, wird mal da mal dort für kurze Zeit aufgenommen. Endlich findet sie eine Klause bei der Kirche von Fosses in Belgien. Der Gedanke des neuen Festes ist aber nicht so leicht zu vertreiben. Gerade die, die darauf schimpfen, halten ihn im Gedächtnis der Zeitgenossen. Und so geschieht es, dass im Jahr 1246 in der Kirche St. Martin in Lüttich das erste Fronleichnamsfest gefeiert wird. Juliana kann nicht teilnehmen; aber sie erfährt davon und ist glücklich. Man hört, dass der Gedanke des Festes auch in einigen Diözesen im Westen Deutschlands auf Gegenliebe stößt. Im Jahr 1258 spürt Juliana, dass ihr Leben zu Ende geht. Sie kann nichts mehr schlucken, also kann sie auch nicht mehr die Kommunion empfangen. Ihre Getreuen schlagen ihr vor, dass ein Priester die Hostie zu ihr bringt, damit sie sie anschauen kann. Aber sie weigert sich. Sie empfindet es als Anmaßung, dass der Herr der Welt zu ihr kommt, wenn sie nicht mehr zu ihm gehen kann. Aber an ihrem Todestag gibt sie ihre Einwilligung. Und so sieht sie im Augenblick des Todes Jesus in der Gestalt des Brotes. Es ist der 5. April 1258. Und dann geschieht folgendes: Der frühere Erzdiakon Jakob von Troyer aus Lüttich wird zum Papst gewählt. Er kennt Juliana, weiß, was in Lüttich geschehen ist. Nun führt er als Papst Urban IV. im Jahr 1264 das Fronleichnamsfest für die ganze Kirche ein.

23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe:
Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, 
24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte:
Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! 

25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach:
Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut.
Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! 

26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt,
verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.                    
(1Kor 11,23-26)

 

Wenn wir sagen,

Unser tägliches Brot –
meinen wir alles, was wir brauchen,

um in Frieden zu leben.
Brot ist Friede.

Frieden im Schutz deiner Macht erbitten wir,

Frieden in deiner sorgsamen Hand.

Essen können, statt zu hungern, ist Frieden.
Trinken können, statt zu dürsten, ist Frieden.
Es warm haben, statt zu frieren, ist Frieden.

Schutz finden in einem Haus,
arbeiten können und seine Kraft einsetzen dürfen,
das alles ist Friede, ist tägliches Brot.

Einen Menschen haben, mit dem man vertraut ist,
sich nicht ängstigen müssen vor der Einsamkeit,
vor Streit, Hass und vor der Hölle des Krieges.

Sich nicht ängstigen müssen um Kinder, Eltern oder Freunde,
sich nicht hergeben müssen an die Maschine des Mordens:
Das alles ist das Brot,
das wir täglich brauchen
und für das wir täglich danken.

Unser tägliches Brot, von dem wir leben,
ist auch das Wort eines Menschen.
Wir können nicht leben,
wenn nicht das Wort zu uns kommt,
das ein anderer Mensch zu uns spricht.

Vertrauen muss darin liegen,
Weisung muss es geben, Klarheit und Freundlichkeit.
Es ist kein Friede, wo Menschen nicht miteinander sprechen.
Das Wort ist Brot.
Unendlich viele Menschen hungern nach dem täglichen Wort.

Jörg Zink

 

Fritz Lawitzka, 25.05.2016

 

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