Das Grabtuch von Turin:
Ein Dokument von Jesu Leiden, Tod und Auferstehung…

Die Geschichte des Grabtuches von Turin

Der Weg des Grabtuches, welches im Dom von Turin aufbewahrt wird, ist heute nicht mehr durch alle Jahrhunderte lückenlos bekannt. Dennoch erweist sich dieses Grabtuch - ob wir es wollen oder nicht - immer mehr als ein neues, mit außerordentlicher Glaubwürdigkeit ausgestattetes, Zeugnis von Jesu Tod und Auferstehung, gerade für unsere "wissenschaftshungrige" Zeit.

 

In der Kirche wurde ihm allgemein seit jeher Hochachtung und Verehrung entgegengebracht. Dabei konnte man sich bis vor wenige Jahrzehnte hauptsächlich nur auf die mündliche Überlieferung berufen, weil es nicht möglich war, wissenschaftlich die Entstehung des Tuches und die Abbildungen darauf zu untersuchen und die darin enthaltenen Botschaften aus einer längst vergangenen Zeit zu entschlüsseln.

1389 untersagte der Bischof Peter von Arcis die Ausstellung des Tuches, welches sich zu jener Zeit in Lirey in Nordfrankreich (Champagne) befand, weil er es für lediglich "kunstvoll gemalt" hielt. Jedoch weiß man, dass es der Bischof nie selbst gesehen hat, und es ist auch nicht ganz klar, ob sich seine Verurteilung nur auf eine gemalte Kopie des Tuches bezog. Papst Klemens VII. gebot dem Bischof Stillschweigen und erlaubte die Ausstellung. Doch war es sehr schwierig, Klarheit bezüglich vieler Fragen zum Tuch zu erlangen.

Die Evangelien sprechen von einem Leinentuch, welches Josef von Arimatäa für die Grablegung Jesu besorgt hatte und in welches der Leichnam Jesu eingewickelt wurde (Mt.27,59; Mk. 15,46; Lk. 23,53). Über die Aufbewahrung dieses Leichentuches und der anderen Tücher nach Jesu Auferstehung wird jedoch nichts mehr berichtet, nur dies, dass sie im leeren Grab zusammengefaltet dalagen. Wer verwahrte diese Tücher? Das wissen wir heute nicht mehr. Fest steht, dass im jüdischen Kulturraum die Aufbewahrung eines Leichentuches als kultisch unrein gelten musste. Wahrscheinlich geschah sie deswegen - und wegen der Verfolgungen und der Gefahr des Raubes - auch geheim. Unter Kaiser Konstantin treten um 313 Gerüchte auf über die Existenz eines Bildes Christi "in sterblichem Fleisch". Papst Sylvester legte auf dem Provinzialkonzil von Rom 325 fest, dass das heilige Messopfer auf einem vom Bischof geweihten Leinentuch zelebriert werden soll, so als wäre es das reine Grabtuch Christi. Im 6. Jahrhundert wird aus Edessa, dem heutigen Urfa in der Osttürkei, von einem "nicht von Menschenhand gemachten" (acheiropoietos) Christusbild berichtet, dem Mandylion, welches von Byzantinern 944 von Edessa nach Konstantinopel gebracht wurde.

1204 verschwand das Mandylion aus Konstantinopel bei der Plünderung durch französische Kreuzfahrer, Mitte des 14. Jahrhunderts fand es sich in Lirey in Nordfrankreich wieder, 1452 kam es an das Herzogshaus von Savoyen und wurde in der Schlosskapelle von Chambéry aufbewahrt, 1578 endlich kam es nach Turin.

Bestätigung des Weges durch Pollenanalyse

Es ist nicht ganz klar, ob das Leichentuch mit dem oben genannten Mandylion identisch ist, jedoch ergaben Untersuchungen, dass sich auf dem Leichentuch verschiedene Blütenpollen finden, welche den Regionen entsprechen, an denen sich das Mandylion befunden hatte. Eine Pflanzenart findet sich nur der Gegend von Urfa (Edessa), eine nur in der Umgebung von Istanbul, 15 weitere können der Türkei zugeordnet werden, etwa 15 dem mitteleuropäischen Raum. Aber entscheidend ist, dass elf Pollenarten von Pflanzen stammen, die nur in der Jerusalemer Gegend wachsen! So kann der Weg des Tuches wissenschaftlich ziemlich genau rekonstruiert werden.

Ein Foto von Jesus?

Das Grabtuch von Turin ist ein Leinentuch von 4,36 m Länge und 1,10 m Breite und damit das größte erhaltene Stück Textil aus der Antike. Es ist etwas vergilbt und weist zwei der Länge nach verlaufende, dunkle Streifen auf, welche von einem Brand in der Schlosskapelle von Chambéry im Jahre 1532 herrühren, gleich wie einige Löschwasserflecken. Man kann auf dem Tuch eine sepiafarbene Abbildung einer Menschenfigur erkennen, die zwar immer als Abbild Jesu überliefert worden war, die jedoch nicht völlig fassbar erscheint.

Beinahe wäre das Tuch schon in Vergessenheit geraten, als am 25. Mai 1898 der Turiner Anwalt Secondo Pia eine merkwürdige Entdeckung machte. Er hatte erstmals das Tuch bei einer Ausstellung fotographiert. Als er die Fotoplatten entwickelte, konnte er erkennen, dass das, was man bisher auf dem Tuch gesehen hatte, lediglich das Negativ des wahren Bildes gewesen war, das sich nun klar zeigte: Das älteste authentische Abbild eines Menschen, entstanden lange vor der Erfindung der Fotographie! Wenn dieser Mensch wirklich Jesus Christus ist, haben wir von unserem Erlöser ein wahres Bild, ja eine Fotographie, die uns zudem auch das ganze Ausmaß Seines Leidens für uns offenbart!

Überraschende Entdeckungen

Diese Entdeckung war sensationell. Wissenschaftler aller Fachrichtungen gewannen plötzlich Interesse an dem Tuch. Wie konnte es zu einem solchen Bild kommen, woher war das Tuch, wer war der Mann auf dem Tuch? Das Tuch von Turin wurde in der Folge von Gerichtsmedizinern, Kriminologen, Physikern, Chemikern, Pathologen, Biologen, Palynologen, Textilkundlern usw. untersucht und ist zum besterforschten Stück Textil der Welt geworden. Dabei wurden beachtliche Ergebnisse erzielt und bemerkenswerte Erkenntnisse gewonnen.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen

Man kann sagen, dass wir heute auf dem Grabtuch eigentlich drei Bilder finden. Zunächst ein Bild eines Mannes im Negativ, ohne Farben. Dann findet man darauf positiv sichtbare Flecken, die von Blut und von Verbrennungen herrühren. Erst in der jüngsten Zeit erschloss sich uns das dritte, Jahrhunderte und Jahrtausende lang unlesbare Bild. Was alle Generationen vor uns nicht wussten, höchstens vermuten konnten, haben wissenschaftliche Methoden heute ermöglicht: das nach und nach zu entziffern, was dieses Tuch über das darauf sinnlich Wahrnehmbare hinaus noch alles aussagt. Nur in aller Kürze können hier die wichtigsten Ergebnisse der Forschungen am Turiner Grabtuch wiedergegeben werden.

Die Analyse des Tuches bestätigt bis in die Einzelheiten die Leidensgeschichte Christi und die bisherigen Kenntnisse über die Weise einer römischen Kreuzigung im ersten Jahrhundert, ja liefert neue Aufschlüsse und Einzelheiten.

Die hohe Quantität von Bilirubin auf den leuchtend roten Blutflecken weisen darauf hin, dass die Person kurz vor dem Tod stark gefoltert worden war. Das Blut ist menschliches Blut, Bluttgruppe AB, die in Europa sehr selten vorkommt. Die Blutabdrücke sind medizinisch gesehen ganz präzis. Auf dem Rücken findet man ca. 100 - 120 längliche Spuren (jede ca. 4cm lang), wie sie die römische Bleigeißel hinterlässt. Das lässt (bei drei Enden an der Geißel) auf eine römische Geißelung von ca. 40 Schlägen schließen. Bei mehr Geißelschlägen hätte Lebensgefahr bestanden, weshalb bei einer jüdischen Geißelung überhaupt nur 39 Schläge erlaubt waren!

Alle weiteren Einzelheiten stimmen mit den Evangelien völlig überein: Die Spuren von der Dornenkrone, die Schulterwunde, die Seitenwunde, die Spuren der Kreuzigung... Zeugnis von schweren Stürzen geben Erdspuren, die Aragonit enthalten (eine seltene Kalksteinart, wie sie sich auch bei Ausgrabungen in Jerusalem beim Damaskustor fand), an der Ferse, am Knie, an der Nase...

Das Gesicht strahlt eine majestätische Erhabenheit aus, obwohl das rechte Augenlid eingerissen ist, Schlagwunden an den Augenbrauen Spuren hinterlassen haben, eine dreieckige Wunde auf der rechten Wange von einem Schlag mit einem stumpfen Gegenstand zeugt, die Spitzen der Dornenkrone Blutbäche an der Stirn hervorgerufen haben... Die Rinnsale bestätigen den Tod am Kreuz in aufrechter Körperhaltung, der ausgerissene Bart ist Zeichen für Gotteslästerung. Die Beine des Gekreuzigten sind nicht zerschlagen...

Besonders die Abbildungen bei den Händen lassen die Theorie einer Fälschung unmöglich erscheinen. Viele Einzelheiten einer Kreuzigung waren mittelalterlichen Malern gar nicht mehr bekannt, da Kaiser Konstantin 347 die Kreuzigung als Strafe abgeschafft hatte. Die Blutströme an den Händen verlaufen in leicht verschiedenen Richtungen schräg nach unten und sind damit ein Hinweis auf die typischen Bewegungen und Haltungen am Kreuz. (Der Gekreuzigte musste sich nach einer bestimmten Zeit immer wieder hochziehen, um überhaupt noch atmen zu können). Die Nägel an den Händen gingen nicht durch die Handflächen, wo sie den Körper gar nicht hätten tragen können, sondern durch die Knochen der Handwurzel. Die Daumen sind nach innen geklappt, medizinisch völlig korrekt bei Verletzung des Mittelnervs in der Handwurzel! Der Brustkorb ist herausgepresst und erhoben, ebenfalls ein Hinweis auf den Tod durch Kreuzigung. Das Blut ist gut konserviert und es lässt sich unterscheiden, ob es aus Arterien oder Venen oder vor oder nach dem Tod (Seitenwunde) floss.

Es zeigt sich auch, dass die Blutspuren anders verlaufen, als es die Abbildung des Gekreuzigten zunächst vermuten lässt, eben, weil das Tuch nicht flach auf dem Leichnam aufgelegen ist! Die Blutspuren bezeugen auch einen anderen Entstehungszeitpunkt als das Bild. Auch sind keinerlei Spuren einer Verwesung festzustellen! Der Körper wurde wieder vom Grabtuch getrennt, bevor die Verwesung eingesetzt hätte, muss also weniger als drei Tage darin gelegen sein.

Überraschend: Das verkrustete, vom Leinen aufgesogene Blut weist keine Zeichen einer gewaltsamen Trennung auf, wie sie beim Lösen des Leichnams von dem Tuch hätte auftreten müssen. Auf beispiellose, unerklärliche Weise wurde der Körper aus dem Leinen entfernt! Die Blutkrusten und das Gewebe sind unverletzt! Ein Raub des Leichnams oder auch eine bloße "Umbettung" erscheint damit ausgeschlossen! Unversehrte Blutkrusten sind nur durch eine wunderbare Auferstehung erklärbar! Nicht nur die schon beschriebene Analyse von Pollen, welche nur in ganz bestimmten Gebieten vorkommen (Jerusalem - Anatolische Steppe - Konstantinopel usw.), sondern auch die Webart des Tuches verweist auf den Orient. Das Leinen ist fischgrätenartig gemustert in einem Drei-zu-eins-Leinenmuster (sog. Körperbindung). Dafür ist ein besonderer Webstuhl notwendig. Die Technik der Herstellung verweist auf ein Gewebe des ersten Jahrhunderts. Diese Art von Leinenkörper ist in Europa erst seit der zweiten Hälfte des 16 Jahrhunderts bekannt. Die besondere Drehung, welche der natürlichen Richtung der Faser beim Trocknen widerspricht, ist sehr selten, jedoch aus Palmyra, der Jüdischen Wüste und Ägypten bezeugt.

Solche Leinen waren in der Antike sehr kostspielig. Das Tuch ist in einem gewirkt und weist merkwürdigerweise auch Spuren von Baumwolle auf, die sich wohl auf dem Webstuhl befanden. Baumwolle kam in dieser Zeit nur aus Indien, wurde in Europa weder angebaut noch verbreitet. Auch dies weist auf den Orient als Entstehungsort des Tuches hin. Auch die Maße des Tuches entsprechen antiken jüdischen Ellen.

Sehr überraschend ist die Tatsache, dass sich auf dem Tuch keinerlei Spuren von Farben finden. Alle möglichen Tests wurden gemacht: Versuche mit dem Mikroskop, mit Röntgenstrahlen, Infrarotstrahlen, UV-Strahlen, Fluoreszenz, Reflektometrie, Chemie... Die Oberfläche weist lediglich - im Gegensatz zu einigen Blutspuren, die sich auch dort finden - eine Art "Versengung" auf, die aber - außer an den wirklichen Brandspuren, die von späteren Verbrennungen herrühren - nie tiefer als 40 Mikrons (= Tausendstel Millimeter) reicht. Nun wurde schon früh vermutet, dass dies vielleicht durch Aufsaugen von Aloe, Myrrhe, Schweiß und Wundflüssigkeit verursacht sein könnte. Dann aber hätten sich ganz andere Spuren ergeben müssen, wie verschiedene Tests bewiesen haben.

Überhaupt zeigt sich, dass es sich um kein Bild handelt, das durch irgendeinen "Abdruck" hätte entstehen können, denn beim Abdruck hätte das Tuch unbedingt Hoch-, Schräg- und Tiefstellen des Mannes berühren müssen. Wenn das Tuch dann wieder flach liegt, ergäbe sich ein völlig verzerrtes Bild eines Gesichtes mit einer überbreiten Nase usw. Auch aufsteigende Dämpfe vom Schweiß des gesalbten Leichnams auf ein mit Myrrhe oder Aloe getränktes Tuch ergaben ein völlig anderes, ganz diffuses Bild. Dem Bild konnten weder Brände noch Löschwasser etwas anhaben, auch ist es kein einfaches Fotonegativ, wie neuere Studien ergaben. Denn es liefert die Hell-Dunkel-Werte nicht einfach umgekehrt zur Helligkeit oder Dunkelheit auf dem Objekt, sondern lässt - was bei einer gewöhnlichen Fotographie nicht möglich ist - eine wirklichkeitsgetreue "Übersetzung" in eine dreidimensionale Darstellung im Raum zu! Dies deshalb, weil alle Körperstellen, die hervorstehen, wie Augenbrauen, Nasenspitze, Wangengeschwulst, Kinnpartie usw. auf dem Tuch dunkler erscheinen, während weiter vom Tuch entfernte Teile schwächer oder gar nicht mehr abgebildet sind. Mit Hilfe einer Computer-Bildanalyse lässt sich so die dritte Dimension des Körpers darstellen!

Man kann so auch die abgewandten Daumen ausfindig machen, weil das Bild kein Abdruck, sondern ein Projektionsbild ist. Zugleich kann man so auch Münzen auf den Augen erkennen, was einen alten jüdischen Brauch bestätigt. Bei Untersuchungen dieser Münzen konnte man feststellen, dass eine einer besonderen Münzart entsprach, welche Pontius Pilatus in den Jahren 29 -31 n. Chr. prägen ließ, die andere über der linken Augenbraue war überhaupt nur zwischen 29 und 32 n. Chr. im Umlauf. Sie war die kleinste Münze der Juden. Damit ist eine überaus exakte Zeitbestimmung möglich! Es ergibt sich eine solche Fülle an gut abgesicherten und einander bestätigenden Informationen, dass das Tuch eigentlich nur dann verstanden und aufrichtig beschrieben werden kann, wenn man es als das Grabtuch Jesu anerkennt. Jede Fälschungshypothese ist bisher an der überwältigenden Fülle unbezweifelbarer Hinweise für die Echtheit gescheitert. Die Entstehung des Negativ-Bildes kann bis heute nicht wirklich erklärt werden. Nicht einmal die Nachahmung vieler beschriebenen Details ist bis heute möglich, geschweige denn ihre originäre Kombination.

Die Ergebnisse von 1988

Auf Grund der überraschenden Tatsachen, die bei der Erforschung des Grabtuches immer deutlicher zu Tage traten und wegen der außergewöhnlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die einzeln wie im Zusammenklang die Leidensgeschichte Jesu, wie sie uns das Evangelium berichtet, bis in die Details eindrucksvoll bestätigen, wurde dem Tuch von Turin in den letzten Jahrzehnten immer mehr Aufmerksamkeit zuteil. Das Bild auf dem Grabtuch ließ sich nicht als Menschenwerk, ja nicht einmal als Ergebnis bloß natürlicher Ursachen erklären. Eine Fälschung erschien unvorstellbar, das Grabtuch konnte eigentlich nur Jesus Christus zugeordnet werden. ...

(Artikel gekürzt)

Quelle:
http://www.arbeitskreis-katholischer-glaube.com/texte/jesus_christus_menschwerdung_gottes/grabtuch_von_turin_wahre_reliquie.htm

Fritz Lawitzka, 08.05.2016

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