Einfach zum Nach-Denken...
Gedanken zur allgemeinen Flüchtlingsdiskussion

„Wenn wir nur für Geld und den Gewinn arbeiten, bauen wir uns ein Gefängnis und schließen uns wie Klausner ein. Geld ist nur Schlacke und kann nichts schaffen, was das Leben lebenswert macht… Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar… Immer geht es nur darum, die Gegenwart zu ordnen. Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen. Lass also die Zukunft wie einen Baum gedeihen, der nach und nach seine Zweige entfaltet. Von Gegenwart zu Gegenwart wird der Baum wachsen, ...“

Sie liegen falsch, dieser Ausspruch stammt nicht von Papst Franziskus, obwohl er bereits sehr deftig ähnliches zum Thema Geld und Wirtschaft äußerte. Das Zitat stammt von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944) – vorwiegend bekannt durch sein Märchen „Der Kleine Prinz“. Es gilt als literarische Umsetzung des moralischen Denkens und der Welterkenntnis des Autors und als dessen Kritik am Werteverfall der Gesellschaft. – Womit wir uns bereits beim Thema befinden…

Ich möchte zu einem gedanklichen „Kassasturz“ einladen: Wieviel Ideen, Pläne, Initiativen etc. in ihrem Leben – auch im schulischen Bereich – scheiterten an der Retourfrage: „Was kostet es?“ sowie desillusionierender Antworten: „Wer soll das machen?!“ und „Wir haben leider kein Geld!“ –

Alleine schon für die Menge solcher bekommener Antorten vom jeweiligen Sprecher eine 10,00 €-Spende verlangend, würde bereits einige Planungsprojekte ihrer Verwirklichung einen Schritt näher bringen…

Den einzig möglichen und globalen Weg, diesen „Teufelskreis“ zu durchbrechen, würde uns das Buch Deuteronomium (15, 1-2) aufzeigen. Der stößt aber leider auf massiven Widerstand der Wirtschafts- und Konsumlobby und des Einzelmenschen. – Das Warum bedarf keiner näheren Ausführungen.

Es wird darin gefordert, dass jedes siebte Jahr – das Jubeljahr – in Israel ein Schuldenerlass ausgerufen werde. Jeder Israelit soll die Darlehen, die er gegeben hat, „loslassen“. Alle sieben Jahre musste ein israelischer Gläubiger seinen Landsleuten die Schulden erlassen. Der soziale Zweck bestand darin, dass die schlimmsten Verschuldungen abgebaut werden konnten. Zur Zeit Jesu kannte man noch dieses Konzept. Rabbi Hillel kritisierte allerdings, dass die Armen vor dem Erlassjahr keine Kredite mehr bekamen. –

60 Millionen Menschen sind gegenwärtig aufgrund ihrer Abstammung, ihres Glaubens-Bekenntnisses etc. zu Flüchtlingen geworden.

Wenn Jesus vom Welt-Gericht (Mt 25,31-46) spricht, erwähnt er körperliche und seelische Grund-Bedürfnisse jedes Menschen, die sich seit Jahrtausenden nicht veränderten und es auch zukünftig nicht tun werden:

Nahrung – Kleidung – Gesundheit – Beheimatung – Freiheit.

Mit seiner dreimaligen Wiederholung spiegelt Jesus das Verhalten sowie unsere innere Einstellung gegenüber der mit-menschlichen Not und meint

  •  - mit denSehenden die selbstlos Helfenden
  •  - die Selbstgerechten, Arroganten, Eitlen
  •  - mit den „Blinden“ die Gleichgültigen, Anteillosen

Durch Jesu Wort bekommt gelebte Nächsten-Liebe eine neue Dimension: Die Horizontale findet ihre Vollendung durch die Vertikale, die gemeinsam ein Kreuz ergeben:

„Was ihr für einen dieser Geringsten [nicht] getan habt, das habt ihr auch mir [nicht] getan. (Mt 25,45)

Das Herz-Symbol besteht aus zwei aufeinander zugeord-neten, gleichen Hälften. Es entspringt den stilisierten Darstellungen von Feigenblättern (3000 v. Chr.). Das Efeublatt symbolisierte in griechischen, römischen und frühchristlichen Kulturen die ewige Liebe und weist symbol-trächtig auf das not-wendige Mit-einander und Für-einander hin. – Anders fühlend, denkend und handelnd sind wir halb-herzig – bisweilen sogar herz-los…            

Ich erinnere mich an die Zeit der Jugoslawien-Krise, als in den Jahren 1992-1996 mehr als 50 Flüchtlinge in Retz,  einige im Pfarrhof, aufgenommen wurden und deren Kinder und Jugendlichen unbürokratisch die diversen Schulstufen besuchten und auch etliche an die HS und PTS kamen. Anfänglich verständigten wir uns mit „Händen und Füßen“, aber es dauerte nicht lange und sie konnten – über die Ferien hinweg – soweit deutsch, dass sie beinahe problemlos dem Unterricht folgen konnten.

Ihre Eingliederung in den Schulalltag stellte aufgrund gemeinsamen Bemühens, eines privat erteilten, kostenlosen, Deutschunterrichts, kein allzugroßes Problem dar. Ich machte die Erfahrung, dass diese Gruppe Jugendlicher zu den dankbarsten und nettesten Schülern gehörten. Unter ihnen befand sich auch eine größere Anzahl von Muslimen. –

Weil Muslime beim katholischen Religionsunterricht nicht in der Klasse bleiben dürfen, stellte mir einer sehr erbost die Frage „San se jetzt a gegen uns?!“ Ich verneinte mit der Erklärung, dass dies eine Anweisung seiner Glaubensge-meinschft sei.

Zum Thema Weltreligionen in der 4. Schulstufe und PTS bat ich diesen Schüler einige Zeit später, uns von seinem Glauben und dessen Riten zu erzählen und er erklärte sich dazu bereit, dies zu tun. Er zeigte den Mitschülern, damit durch die Klasse gehend, auch den Koran, denn „Ungläubige“ dürfen ihn nicht berühren.

Als er damit fertig war, trat er unerwartet an den Lehrertisch und drückte ihn mir in die Hand mit den Worten: „Sie Herr Fachlehrer dürfen ihn angreifen und anschauen, denn bei ihnen weiß ich, dass sie es ernst meinen!“ –

Es ist unbestritten, dass die derzeitige Flüchtlingswelle in Europa eine noch nie dagewesene Dimension angenommen hat; ebenso gilt es, fundamentalistisch-terroristische Tendenzen, Mißbrauch und Kriminalität zu bekämpfen, jedoch dürfen das nicht jene zu büßen haben, die tatsächlich unserer Hilfe und Zuwendung bedürfen. Darunter befindet sich eine bedeutende Anzahl (!) unbegleiteter Jugendlicher.

Kümmern sich nicht WIR in besonderer Weise um deren Betreuung und schulische Fort- und Weiterbildung, werden es andere statt uns tun und sie für zwielichtige Zwecke zu rekrutieren suchen. – An solcher „haus-gemachten“ Krimminalität sind wir eigentlich dann selber mit schuld…

Anstatt für die leidige Genderei, diverse Kompetenz-streitereien  und einen äußerst bedenklichen Sexualerlass Resourcen zu verpulvern, wäre die Bildungspolitik – allen voran dessen Ministerium – in erster Linie dafür mit-verantwortlich, bürokratiearme Möglichkeiten in unseren Schulen für gerade diese Jugendlichen zu schaffen.

Solange wir immer noch tonnenweise intakte Nahrungsmittel, Kleidung, Elektronik etc. im Müll entsorgen können, geht es uns nicht wirklich schlecht – oder, wir gehören zur Gruppe zwei bzw. drei in der Welt-Gerichtsrede Jesu...

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Informationen zur Flüchtlingsthematik und zum Thema "Unbegleitete minderjährige Jugendliche" finden Sie unter diesem Download-Link:
www.cle-noe.at/webkit/include.php?path=content/download.php&contentid=201&catid=29&themeid=0

Fritz Lawitzka, 26.08.2015

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