31.05.2020 - Pfingstsonntag Lj A 2020

Apg 2, 1-11; Ps 104 (103), 1-2.24-25.29-30.31 u. 34 (R: vgl. 30);
1 Kor 12, 3b-7.12-13 (oder Röm 8, 8-17);  Joh 20, 19-23 (oder: Joh 14, 15-16.23b-26)

Gehalten im PVB Retz 2020

 

Dechant Pfarrer Mag. Clemens Beirer
Liebe Gemeinde von Brüdern und Schwestern in Christus!

In gewaltigen Worten beschreibt Lukas das Pfingstereignis: Da kam ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt … (Apg 1,2) Ein gewaltiger Sturm, der aber nicht zerstört, …. Es erschienen … Zungen wie von Feuer (Apg 2,3). Sturm, Feuer, … und es erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen (Apg 2,2).

Der Heilige Geist ist ein Wunder, dramatisches Ereignis. Dabei greift Lukas immer wieder das Thema der Sprache auf:
Der Heilige Geist erschien wie in Zungen, …. Alle begannen vom Heiligen Geist erfüllt …, in anderen Sprachen zu reden (Apg 2,4). Männer und Frauen aus allen Völkern hörten sie in seiner Sprache reden. (2,6, vgl. 2,8).

Der Heilige Geist hat mit Sprache zu tun. Sprache verbindet. Sprache hilft, sich selbst auszudrücken, zu sagen, was man denkt, was man meint, wer man ist. Sprache hilft den anderen zu erreichen und von ihm zu hören, was ihn ausmacht und wer er ist. Sprache wirkt Gemeinschaft.

Doch Sprache trennt auch. Als Deutschsprachiger kann man mit einem Chinesen nicht sprechen; man müsste erst die jeweils andere Sprache lernen.

Sprache trennt, wo sie anklagt, wo sie vorverurteilt, wo sie erniedrigt, verletzt, ….

Aber es gibt Verständigungsschwierigkeiten, die liegen nicht auf der Ebene der Muttersprache: „Wer versteht schon die Frauen?“, seufzen die Männer. „Was geht in den Männern bloß vor“, fragen sich die ratlosen Frauen. Eltern verstehen ihre Kinder nicht immer, vor allem, wenn sie in der Pubertät sind. Man scheint sie nicht zu erreichen und die Kinder fühlen sich missverstanden.

Pfingsten wirkt Verständigung. Die Jünger aus Galiläa sprechen so, dass die Parther, Meder und alle anderen sie verstehen. Warum kann das der Heilige Geist?

Pfingsten gründet in Ostern. Da hat Jesus in Liebe sein Leben für alle (!) hingegeben. Am Kreuz riss er die Mauer zwischen Mensch und Gott und den Menschen untereinander nieder. In Christus sind Gott und Mensch eins, in Christus finden die Menschen zueinander. Der Hl. Geist ist der Geist Christi, der Geist der liebt, der verzeiht, der tröstet, der aufbaut, der rettet, der begleitet, der rät, der beschützt, ….

Weil der Heilige Geist der Geist Christi ist, verbindet er, schafft er Verbindung.

Wenn ich mich an das Jubiläumspaar wenden darf: Sie sind seit 60 Jahren verheiratet, sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen, durch die schönen, wie auch die schweren Zeiten. Ich bin mir sicher, dass Sie sich schon verstehen, ohne viel reden zu müssen – weil in Ihnen der Geist der Liebe lebt.

 

Ein Zweites:

In dem Bericht des Lukas fällt eine Eigenheit auf: Alle waren zusammen am selben Ort (2,1), alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt (2,4) und begannen … zu reden (2,4). Doch die Zungen, die erschienen, verteilten sich; auf jeden … ließ sich eine nieder (2,3); und wenn sie auch alle redeten, so doch jeder in anderen Sprachen (2,4).

Der Heilige Geist kommt auf alle. Aber nicht auf alle gleich. Jeder erhält den Heiligen Geist in je besonderer Weise und doch ist es ein und derselbe Geist. Er ist der Geist der Einheit, aber nicht der Gleichmacherei. Er ist der Geist der Einzigartigkeit, ohne dabei zu entfremden. Der Heilige Geist wirkt Einheit und Einzigartigkeit zusammen.

Wie oft wird Einheit mit Gewalt, mit Zwang zu erreichen versucht, mit Gleichschalterei. Das ist in der Politik so und auch in Familien.

Wie oft wollen wir einzigartig sein und merken, dass wir dabei vereinsamen, dass da Menschen nicht mehr mitkommen.
Wie viele Familien sind schon daran zerbrochen, dass da einer sich selbst verwirklichen wollte, aber die Beziehung dem nicht stand hielt.

Der Heilige Geist ist besonders. Er macht uns Besonders, er schenkt jedem eine spezielle Gabe, niemand geht leer aus. Doch diese Besonderheit fügt sich in Gemeinschaft ein.

Der Heilige Geist macht eins. Und er macht uns besonders.

Lukas betont das auch dadurch, dass er Völker nennt, angefangen von den Parthern im Osten bis zu den Römern im Westen. Und sie alle hörten, verstanden, was die Versammelten verkündeten. Einheit bei aufrechter Verschiedenheit.

 

Ein Drittes:

Die Zungen wie von Feuer (2,3) verteilten sich auf die Versammelten und sie begannen in je anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist eingab (2,4). Was aber redeten sie? Sie verkündeten Gottes große Taten (2,11).

Wir erinnern uns noch an Petrus. Wie er sich im Garten von Getsemanie selbst rühmte: Und wenn alle an dir Anstoß nehmen – ich werde niemals an dir Anstoß nehmen. (26,33) Dieses sich selbst rühmen, reißt stets einen Graben auf zwischen Ich und den anderen.

Die Mutter der Donnersöhne Johannes und Jakobus wollte ebenfalls ihre Söhne herausgehoben wissen. Sie sollten im Gottesreich die Plätze links und rechts neben Jesus erhalten (Mt 20,20-21).

Der Heilige Geist macht uns Gottes große Taten zu verkünden, ihn, Gott großmachen, nicht uns selbst. Denn er ist der Geist der Liebe, nicht des Egoismus. Doch gerade darin macht der die Jünger groß.

Ich wende mich auch hier an das Jubelpaar, die sie seit 60 Jahren in der Ehe verbunden sind. So wie ich Sie kenne und einschätze, ist es Ihnen eine Freude das Große im anderen zu sehen, das Schöne und Große zu rühmen, was der andere macht. Voller Stolz erzählen sie was der andere kann, schafft – in schlichter und nüchterner Dankbarkeit.

Das ist das Geheimnis der Liebe. Wo wir – in Liebe – andere groß machen, werden wir selbst groß. Wie sehr gilt das für unseren liebenden Gott, der ja gekommen ist, um uns groß zu machen, Gott ähnlich.
Erinnern wir uns an Marias Lobgesang? Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut, sie von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. (Lk 1,46-48)

Der Heilige Geist lässt uns Gottes große Taten erkennen, in unserem Leben, im Leben der anderen, in der Geschichte dieser Welt, eines Gottes, der uns groß machen will. Aus dem Fischermann Simon den Fels der Kirche, aus dem einfachen Mädchen Maria die Mutter Gottes und Mutter aller Menschen, ….

 

*

Das ist Pfingsten.
Das Geheimnis des Heiligen Geistes. Er verbindet Völker, Rassen und Nationen, Männer und Frauen, Kinder und Erwachsene, denn er ist der Geist Jesu Christi, der Liebe. Er schenkt uns Verstehen und Verständnis füreinander.

Das ist Pfingsten.
Er eint, ohne zu vereinnahmen. Er macht besonders, ohne zu entfremden. Er ist je persönlich, einzigartig und doch der Geist der Gemeinschaft.

Das ist Pfingsten.
Er führt uns heraus aus dem Ich-Rühmen zur Verkündigung der großen Taten Gottes, er schenkt den einzigen und wahren Lobpreis, zu dem wir gerufen sind.

 

Mit Pfingsten beginnt die Verkündigung der Kirche. Sie wächst. Männer und Frauen kommen zum Glauben.

Das Pfingstfest sagt uns, wie es gelingt, heute (!) den Glauben weiter zu geben: Im Heiligen Geist.

Im Geist der Liebe.
Im Geist der Einheit und Einzigartigkeit.
Im Geist, der uns Gottes große Taten erkennen und verkündigen lässt.
Wo wir vor aller Welt Gott dafür danken und preisen,
was er in unserem Leben alles gewirkt und getan hat.

Amen.

 Dechant Pfarrer Mag. Clemens Beirer

 


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