17.05.2020 - 6. Sonntag der Osterzeit Lj A 2014

Apg 8, 5-8.14-17; Ps 66 (65), 1-3.4-5.6-7.16 u. 20; 1 Petr 3, 15-18; Joh 14, 15-21
gehalten im Pfarrverband Retz

Dechant Pfarrer Mag. Clemens Beirer
Liebe Gemeinde von Brüdern und Schwestern in Christus!

Es ist eine große Freude, endlich wieder gemeinsam miteinander – nicht nur über Internet, Fernsehen oder Radio – Gott zu feiern. Viele haben mir gesagt, wie sehr sie die Hl. Messe vermissen als den Ort der Kraft, als Moment von Gemeinschaft, als Quelle innerer Kraft und Stärke für den Alltag.

Ich danke Ihnen, dass Sie heute hier sind. Zugleich wissen wir, dass so manch anderer heute auch gerne hier wäre. Aufgrund der 10m2/Person-Regel dürfen nicht alle, die könnten, aufgrund des Coronavirus können nicht alle, die wollten. So lade ich Sie ein, dass wir in unser Beten all jene mithinein nehmen, die nicht da sind.

Um das Ansteckungsrisiko gering zu halten, sind wir leider verpflichtet, das gemeinsame Singen zu reduzieren. Denn gerade beim Singen wird stärker aus- und eingeatmet, ist die Gefahr einer Infektion höher. Manches von den Maßnahmen mögen wir verstehen, manches nicht. Trotzdem wollen wir „gehorsam“ sein und uns daran halten.

Ich bitte Sie umso mehr, mit dem Herzen mitzubeten und mitzusingen. Bei aller Einschränkung wollen wir doch wirklich und in Freude diesen Gottesdienst begehen.

So lasst uns voll Zuversicht, das Erbarmen Gottes auf uns herabrufen.

 

Predigt

Liebe Gemeinde von Brüdern und Schwestern in Christus!

Schon die längste Zeit verfolgen wir schon die Anfänge der Kirche. Die erste Predigt des Petrus, die Betroffenheit der Menge, die Einsetzung der Diakone, um am Wort Gottes festhaltenzu können. Heute stoßen wir auf einen besonderen Moment. Ich denke, dass er damit zu tun hat, wozu uns Gott heute als Gläubige ganz besonders aufruft.

Der anfängliche Erfolg schlägt in Hass um. Vor ein paar Tagen wurde Stephanus gesteinigt. Diejenigen, die an Jesus glaubten, sahen sich plötzlich verfolgt. An jenem Tag brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein (Apg 8,1). So zerstreut sich die Gemeinde.

Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie viel Leid damit verbunden war, Verwandte, Freunde, Schulkameraden, Geschäft, Acker … alles aufzugeben und zu fliehen. Unter den Flüchtlingen befindet sich auch Philippus. Einer der sieben Diakone, die mit Stephanus geweiht worden waren.

Philippus verschlägt es nach Samarien. Dort tritt er in Kraft und Vollmacht auf. Und was tut er? Wie so viele andere verfolgte Jüngerinnen und Jünger verkündet er Jesus (Apg 8,5).
Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Zeichen, die er tat. 7Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Verkrüppelte wurden geheilt. (Apg 8,5-7)    

Die Botschaft der Jüngerinnen und Jünger ist Jesus.         
Ihre Botschaft schenkt Leben, weil Jesus lebt
. Er ist auferstanden!      
Ihre Botschaft macht frei. Denn Jesus hat die Fesseln des Todes gebrochen! 
Kein Wunder, dass es am Ende heißt: So herrschte große Freude in jener Stadt. (Apg 8,8).

Eigentlich könnte hier der Bericht enden. Es ist doch alles geschehen. Doch da passiert etwas Eigenartiges! Die Apostel hören davon, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hat (Apg 8,14), dass sie an Jesus glauben. Und sie schicken nun die Apostel Petrus und Johannes dorthin. Wozu?        
15 Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen.  16 Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn. 17 Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist. (Apg 8,15-17).

Ist das nicht interessant? Philippus verkündet Jesus. Die Samariter glauben seiner Predigt. Sie lassen sich auf den Namen Jesu taufen. Doch noch fehlt etwas Entscheidendes. Deshalb schicken die Apostel zwei von ihnen nach Samarien. Denn das, was da fehlt, wird durch die Apostel vermittelt: die Gabe des Heiligen Geistes.

Ohne die Gabe des Heiligen Geistes fehlt dem christlichen Glauben Entscheidendes.

Was ist der Heilige Geist?

Die Theologie sagt uns, er ist die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn. Wenn uns Jesus Anteil gibt am Heiligen Geist, dann gibt er uns Anteil am Leben Gottes selbst.

Was ist der Heilige Geist?          
Am 22. Juli 1934 wird in Italien ein Bub geboren. Er geht in eine von Kapuzinern geführten Schule. Dabei gibt es auch Einkehrtage. Auf diesen Einkehrtagen erfasst es den 12-Jährigen: Er erfasst die großen Wahrheiten des Glaubens: die Liebe Gottes, Jesus als unseren Freund, das ewige Leben. Und zugleich erkennt er seine Berufung, Kapuziner zu werden, ein Nachfolger des hl. Franziskus von Assisi.

Mit 24 wird Raniero Cantalamessa zum Priester geweiht. Er ist talentiert und sehr klug, so macht er das Doktorat und lehrt schließlich als Professor an der Universität. Er ist wirklich klug und Papst Paul VI beruft ihn 1975 in die internationale Theologenkommission. Das ist jenes Gremium, das den Papst theologisch berät.

2 Jahre später, 1977, erhält der Professor Raniero Cantalamessa eine Einladung nach Nordamerika – nicht als Vortragender. Eine Dame gibt ihm eine Karte für einen Kongress der Charismatischen Erneuerung – als Teilnehmer. Auf dieser Versammlung geschieht aber etwas, was das Leben dieses berühmten Theologen auf den Kopf stellen wird:

Es gibt nichts, was Raniero Cantalamessa nicht über Jesus gewusst hätte. Doch was auf diesem Kongress passiert, geschieht auf einer anderen Ebene.

Raniero Cantalamessa beschreibt, als hätte er ein Bild gehabt. Er sieht sich auf einer Kutsche, die Zügel in der Hand. Er lenkt den Wagen, rechts, links, geradeaus. Und plötzlich tritt Jesus hinzu. Jesus fragt ihn milde, ob er ihm die Zügel für sein Leben übergeben würde. In diesem Moment entscheidet sich Cantalamessa und sagt: „Ja, Herr, nimm die Zügel meines Lebens!“

Sie verstehen, was das bedeutet, nicht?      
Es bedeutet, dass man Jesus sein Leben gibt. Man akzeptiert, dass Jesus in jedem Bereich seines Lebens etwas zu sagen hat, ja, das letzte und entscheidende Wort haben darf, dass es keinen Bereich des Lebens gibt, das man ihm vorenthält. Es bedeutet, das Versprechen der Taufe zu erneuern.   
Cantalamessa ist wie Samarien: Er hat das Wort angenommen und ist getauft. Aber noch fehlt etwas Entscheidendes.

Dann wurde für ihn gebetet, dass er den Heiligen Geist empfangen möge. Und – es geschah gar nichts. Zunächst. Scheinbar. Denn nach einigen Tagen merkte er, Veränderungen in seinem Leben.       
Wenn er die Schrift las, hatte er den Eindruck, als hätte sie Gott für ihn selbst geschrieben, fühlte er sich persönlich angesprochen im Gespräch mit Gott. Er fühlte sich zum Gebet hingezogen. Und er, der vom Typ her eher ernst war, wurde mehr und mehr mit einem Lächeln gesehen.

Der Heilige Geist macht den Glauben, den wir in der Taufe erhalten haben, lebendig. Man kann glauben, die Glaubensinhalte für wahr und vernünftig halten, getauft sein, … aber es ist der Heilige Geist, der uns in eine lebendige Beziehung zu Gott hineinnimmt.        
Und plötzlich spricht alles von Gott – der Wald, durch den wir spazieren, die Felder, die wir bearbeiten, die Familie mit ihren Freuden und Herausforderungen, … und vor allem dieses Buch, aus dem wir jeden Sonntag lesen. Es wird lebendig – lebendig im Heiligen Geist.

Und dieser Geist führt uns immer tiefer in das Geheimnis Gottes, er drängt uns zum Gespräch mit Gott. Dieses Gebet ist kein Plappern von Formeln, kein Runtermurmeln eines Tischgebets, sondern das Gespräch zweier, die einander lieben, von Herz zu Herz.

Der Heilige Geist macht unser Leben hell, er schenkt uns eine Freude, die die Welt nicht geben kann, die sich nicht auf Erfolg, Ansehen, auf ein gutes Essen, ein schönes Zuhause gründet, sondern auf die Liebe, in die man hinein genommen ist. Die Liebe Gottes.

 

Liebe Gemeinde von Getauften!

Wir tragen diesen Namen „Christen“! Das heißt „die Gesalbten!“ Womit? Mit dem Heiligen Geist!!   
Der Heilige Geist ist das Ziel der ganzen Sendung Jesu, deswegen wurde er Mensch, deswegen nahm er die Sünde auf sich, deshalb erstand er und ging zum Vater …, um uns Anteil zu geben am Heiligen Geist, damit wir Christen würden – Gesalbte im Heiligen Geist.

Leben wir das Sakrament der Taufe nicht, ohne den Heiligen Geist!

„Empfangt (neu) den Heiligen Geist!“ Das ist meine Bitte an Gott. Möget ihr die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.

Von Christi Himmelfahrt, also von diesem Donnerstag an, bis Pfingsten betet die Kirche die große Novene. In Erinnerung an die Jünger, die 9 Tage im Gebet um die Gabe des Heiligen Geistes beteten, betet die Kirche. Schließen Sie sich diesem Gebet an.

Im Gotteslob gibt es schöne Gebete zum Heiligen Geist. Aber beten Sie auch mit eigenen Worten. Beten Sie darum, der Heilige Geist möge neu in ihr Leben treten, möge ihr Leben erneuern.

Es gibt dazu die ökumenische AktionÖsterreich betet gemeinsam“. Im Internet finden Sie dazu die weiteren Hinweise.

Für Raniero Cantalamessa hat die Erneuerung im Heiligen Geist sein ganzes Leben verändert. Was er lehrte, wurde lebendig. Der Geist führte ihn und er folgte ihm. Er führte ihn, seine Professur aufzugeben, die Universität zu verlassen. Da erreichte ihn ein Anruf: Papst Johannes Paul II bat ihn, Prediger des päpstlichen Hauses zu werden. Seit 40 Jahren predigt Raniero Cantalamessa dem Papst und den Kardinälen, Papst Johannes Paul II, Papst Benedikt XVI, Papst Franziskus. Der Hl. Geist hat sein Leben verändert.

Möge auch in uns der Glaube lebendig werden! Mögen wir alle, erneuert werden im Heiligen Geist. Beten und bitten wir inständig darum in diesen Tagen. – Amen.

Dechant Pfarrer Mag. Clemens Beirer

 


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