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Ich hör dir zu - Fastenzeit 2020

200 Jahre Clemens Maria Hofbauer

22.03.2020 - Predigt am 4. Fastensonntag

Predigt am 4. Fastensonntag Jk A
1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b; Ps 23 (22), 1-3.4.5.6 (R: 1); Eph 5, 8-14; Joh 9, 1-41
(virtuell) gehalten im Pfarrverband Retz 2020

 

Dechant Pfarrer Mag. Clemens BeirerLiebe Gemeinde von Brüdern und Schwestern in Christus!

In Zeiten des Corona-Virus sind wir alle räumlich getrennt. Die Hl. Messe und alle anderen Gottesdienste (Kreuzweg etc.) finden nicht mehr als Versammlung statt, sondern höchstens privat.

Normalerweise bedeutet für mich der Sonntag auch ein wenig Stress. Das hat vor allem mit der Vorbereitung auf die Predigt zu tun, die meist sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Da es aber derzeit keine öffentlichen Messen gibt, bräuchte ich doch auch keine Predigt vorbereiten – oder? Ich habe mich anders entschieden und stelle bewusst heute eine Predigt ins Netz.[1] Warum? Als Priester bin ich verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass die mir Anvertrauten das Wort Gottes ausgelegt erhalten. Es ist eine von vielen Formen über die ich Ihnen erfahrbar machen kann: Ich denke an Sie, ich bete für Sie und ich tue – wie viele andere auch – meine Arbeit in Form von „home-office“ weiterhin.

So möchte ich mit Ihnen die Lesung aus dem ersten Buch Samuel betrachten. Es geht um das Sehen oder Nichtsehen. Ich darf den Inhalt des 16. Kapitels kurz zusammenfassen:

Saul ist König von Israel. Aber er hat nicht auf Gott gehört. Ihn hat der Ruhm, der Erfolg unvorsichtig gemacht (1 Sam 15). Aber so wird das Königtum nicht zum Segen, sondern zum Fluch für das Volk. So verliert es seine Gerechtigkeit und wird zur Beliebigkeit und Willkür. Daher verwirft Jhwh, Gott, Saul als König. Er befiehlt den Propheten Samuel, sich aufzumachen und eine der Söhne Isais zum König zu salben.

So geht Samuel zu Isai. Sieben Söhne sind im Haus. Einer nach dem anderen tritt vor Samuel. Ihn beeindruckt die stattliche Gestalt des Erstgebornen, seine Schönheit (1 Sam 16,6). Doch er ist nicht der Erwählte. So tritt der Zweigeborene vor, dann der Drittgeborene, … bis alle sieben vor Samuel gestanden haben. Keiner von ihnen war es. Wenn doch nicht der Erste, dann doch der Zweite, … sie alle wären in abgestufter Form menschlich betrachtet geeignet gewesen.

So fragt Samuel den Isai: „Sind das alle jungen Männer, die du hast?“ (1 Sam 16,11). Da erinnert sich Isai an den Jüngsten, den Letztgeborenen, den Schwächsten, den Hirtenjungen, der gerade die Schafe hütet. Samuel lässt ihn holen und hier hört er erneut das Wort Gottes: Auf, salbe ihn! Denn er ist es! (1 Sam 16,12) So salbt Samuel den David zum König vor allen seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an. (1 Sam 16,13)

Ich möchte diese Erzählung in die Spannung fassen von „sehen wollen“, „sehen können“, „zu sehen bekommen“.

1. „Sehen wollen“. Saul wollte nicht hören. Er wollte nicht sehen, dass es Gott mit seinen Anordnungen gut meinte. Er tat, wie er wollte. Um sehen zu können, muss man sehen wollen.

Gerade die Corona-Krise führt uns das auch eindrücklich und in höchst betrüblicher Weise vor Augen. Wie viele Verantwortliche schauen noch immer weg, bringen ihre Bevölkerung in höchste Gefahr, spielen mit Leib und Leben, weil sie nicht „sehen wollen“, weil es nicht in ihr Konzept passt, weil sie Angst haben, um ihren Ruf, um die Wirtschaft, …. Manche unter ihnen nützten diese Krise, um ihre Macht auszubauen, ihr eigenes Süppchen zu kochen.

Wie viele Menschen hören noch immer nicht auf die Anordnungen der Regierung, gehen in Gruppen spazieren, halten keinen Abstand, …. Auf Video, über Fernsehen, Computer, Handy … lesen, sehen sie und sehen doch nicht, weil sie nicht sehen wollen. Stolz, Eitelkeit, Überheblichkeit, Gewohnheit, …. Es gibt viele Umstände, die uns nicht sehen lassen, weil wir eigentlich nicht sehen wollen.

Um sehen zu können, muss man sehen wollen. Wo wir nicht sehen wollen, werden wir auch dann nicht sehen, wenn sich die Wirklichkeit klar und deutlich vor unseren Augen entfaltet.

2. „Sehen können“ Samuel sieht. Er sieht sieben junge Männer. Stark, schön, stattlich. Beginnend mit dem Erstgeborenen bis zum Siebenten. Samuel sieht. Er sieht mit den Augen, mit den Sinnen. Wir sind gewohnt, Wirklichkeit mit unseren Sinnen zu erfassen. Augen, Ohren, Nase, Mund, Hände, … Wir sehen, hören, schmecken, riechen, tasten Wirklichkeit. Die Wissenschaft gründet auf diese Sinne.

Ich bin den Verantwortlichen im Staat, in der Wissenschaft und in der Kirche sehr, sehr dankbar, dass sie die wissenschaftlichen Fakten zum Virus ernst genommen haben, gesehen haben.

Ich danke allen, die sehen, die die Gefahr, den Ernst der Lage, wahrnehmen, die die Augen öffnen und sich entsprechend verhalten.

Gestern sah ich in den Medien ein Bild von zwei Ärzten aus dem Norden Italiens. Ihre Körperhaltung sprach von Verzweiflung, Erschöpfung, …. Sie waren am Ende. Dieses Bild habe ich gesehen und ich werde es nicht mehr los. Es zwingt mich, für all jene zu beten, die jetzt so gefordert sind. Und ich möchte einmal mehr all jenen ins Gewissen reden, die sich so leichtfertig verhalten und damit die ganze Mühe, Sorge, Selbstgefährdung von so vielen Ärzten, Sicherheitsbediensteten, Postlern, Angestellten, … ins Leere laufen lassen.

Ärzte sind wichtig. Sie kümmern sich um jene, die erkrankt sind, wir aber können viel Größeres wirken, weil wir mitwirken können, dass Menschen gar nicht erst erkranken, gar nicht erst angesteckt werden, keinen Arzt benötigen. Wer sehen will, der sieht das. Die Augen und den Verstand haben wir von Gott erhalten, damit wir sehen.

3. Zu sehen bekommen. Als Samuel mit seinen menschlichen Sinnen zum Ende gekommen ist, wird eine neue Form des Sehens möglich. Er sieht, dass alle sieben Söhne Isais vor ihm stehen und doch nicht die Auserwählten sind. Er weiß aber, dass Gott einen der Söhne Isais zum König erwählt hat. Es muss also noch einen geben, einen, den jetzt seine Augen nicht sehen, der jetzt nicht gesehen wird.

Samuel verlässt die Sinne und vertraut auf das Wort Gottes. Er gründet sein Sehen auf den Glauben. Der Glaube eröffnet eine neue Form des Sehens. Die Sinne behalten ihre Gültigkeit und ihren Wert. Aber die Wirklichkeit ist größer und weiter, dimensionsreicher als es den Sinnen zugänglich ist.

In diesen Tagen lese ich ein Buch über eine junge Frau unseres Jahrhunderts, Chiara Corbella Petrillo. Sie hat viel Not und Leid erfahren. Das war sichtbar. Die Behinderungen ihrer Kinder, ihr Krebs, …. Alles sichtbar und messbar. Der Glaube aber lässt sie hinter all dem die führende und lenkende und sorgende Hand Gottes erkennen. In dem behinderten nicht lebensfähigen Kind sieht sie Gottes Geschenk, die Aufforderung zu lieben. Sie und ihr Mann sehen nicht nur mit den Augen, sie sehen mit dem Glauben. Der Glaube lässt sie sehen. So wird ihr Weg zum Zeugnis der Ermutigung, der Hoffnung all derer, die ihr begegnen. Und die kommen, um zu trösten, gehen getröstet nach Hause. (Simone Troisi, Cristiana Paccini, Chiara Corbella Petrillo. Geboren, um nie mehr zu sterben (Canisi-Edition).)

Ich frage mich in diesen Tagen oft: „Herr, was willst du uns durch diese Krise sehen lassen? Was ist es, wozu du uns jetzt rufst?“ – Manches ist klar: Alles zu tun und überall mitzuwirken, dass wir diese Krise gemeinsam bestehen. Aber manches ist nicht so klar und deutlich: Was heißt das für uns als Gesellschaft, für uns als Kirche? Was willst du, was ich nun mit meiner Zeit tun soll?

Liebe Gemeinde von Brüdern und Schwestern in Christus!

„Sehen wollen“, „sehen können“ und „zu sehen bekommen“ stehen heute vor uns. Seien wir Menschen die sehen wollen, die sehen, was vor ihren Augen ist, die aber auch offen sind dafür, was Gott sie sehen lassen will.

So möchte ich alle ermutigen, nicht nur zu den offenen Geschäften zu gehen, um sich Notwendiges zu besorgen, sondern auch der Kirche einen Besuch abzustatten. Manchmal dünkt mich der Herr im Tabernakel sehr einsam. Bezeugen wir ihm unsere Nähe und gehen wir oft zu ihm, bringen wir die uns Anvertrauten vor ihn und bitten wir: „Lass mich sehen, was du siehst, damit ich dort bin, wo du mich haben willst.“ – Amen.

 

Anmerkung:
[1] Aufgrund von Internetproblemen kommt dieser Beitrag leider verspätet.

 

1 Der HERR sagte zu Samuel: Wie lange willst du noch um Saul trauern? Ich habe ihn doch verworfen; er soll nicht mehr als König über Israel herrschen. Fülle dein Horn mit Öl und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen.  2 Samuel erwiderte: Wie kann ich da hingehen? Saul wird es erfahren und mich umbringen. Der HERR sagte: Nimm ein junges Rind mit und sag: Ich bin gekommen, um dem HERRN ein Schlachtopfer darzubringen.  3 Lade Isai zum Opfer ein! Ich selbst werde dich dann erkennen lassen, was du tun sollst: Du sollst mir nur den salben, den ich dir nennen werde.  4 Samuel tat, was der HERR befohlen hatte. Als er nach Betlehem kam, gingen ihm die Ältesten der Stadt zitternd entgegen und fragten: Bedeutet dein Kommen Frieden?  5 Er antwortete: Frieden. Ich bin gekommen, um dem HERRN ein Schlachtopfer darzubringen. Heiligt euch und kommt mit mir zum Opfer!

Dann heiligte er Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer ein.  6 Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem HERRN sein Gesalbter.  7 Der HERR aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der HERR aber sieht das Herz. [1]  8 Nun rief Isai den Abinadab und ließ ihn vor Samuel treten. Dieser sagte: Auch ihn hat der HERR nicht erwählt.  9 Isai ließ Schima kommen. Samuel sagte: Auch ihn hat der HERR nicht erwählt.  10 So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der HERR nicht erwählt.  11 Und er fragte Isai: Sind das alle jungen Männer? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist.  12 Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war rötlich, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der HERR: Auf, salbe ihn! Denn er ist es.  13 Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN war über David von diesem Tag an. Samuel aber brach auf und kehrte nach Rama zurück.

Dechant Pfarrer Mag. Clemens Beirer

 

Karwoche 2020

- Die Feier der Hl. Woche -

Pfarrverband Live!
Live-Übertragung von Gottesdiensten aus dem Pfarrverband Retz über die Pfarrverbandswebsite.

PALMSONNTAG, 05.04.2020
08:30 Uhr Hl. Messe - Live Stream Gemeinde Obernalb/Unternalb

GRÜNDONNERSTAG, 09.4.2020
19:00 Uhr Letztes Abendmahl - Live Stream Gemeinde Retz

KARFREITAG, 10.04.2020
19:00 Uhr Leiden und Sterben Jesu - Live Stream Gemeinde Retz

KARSAMSTAG, 11.04.2020
20:00 Uhr FEIER DER OSTERNACHT - Live Stream Gemeinde Retz

OSTERSONNTAG, 12.04.2020
08:30 Uhr Hl. Messe - Live Stream Gemeinde Obernalb/Unternalb


- Die Links zu den geplanten Live Streams werden Ende der Woche freigeschaltet. -

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