Abschied von Otto Filipsky

Abschied von Otto FilipskyAm 12. Juli nahmen wir Abschied  von Otto Filipsky, welcher am 30. Juni im 107. Lebensjahr verstorben ist. Otto Filipsky war vieles – älter als die Republik Österreich, ältester Niederösterreicher und Österreicher, ältester Katholik und ältestes Mitglied der Katholischen Männerbewegung; Zeitzeuge, Ehrenmitglied in diversen Vereinen, ältester Rapidfan, ein Retzer Original und für viele, die mit ihm eine besonders innige Freundschaft pflegten, einfach nur der „Onkel Otto". Ein Mensch, der immer wirklich freundlich war und ein Lächeln auf den Lippen hatte.

Otto Filipsky wurde am 18.10.1912 in Znaim geboren, wo er als ausschließlich Deutschsprachiger in der damaligen deutschen Gemeinde bis zum Einmarsch der Hitlertruppen trotz schlechter Wirtschaftszeiten eine relativ friedliche Zeit verbrachte. In der Zwischenzeit bereits Witwer mit zwei Kleinkindern, entzog sich Otto Filipsky dem Einberufungsbefehl der tschechischen Armee zum sinnlosen Abwehrkampf gegen Nazi-Deutschland durch Flucht in das mittlerweile ebenfalls von der Landkarte getilgte Österreich. Doch anstatt Freiheit und Aufschwung erwartete ihn dort ein halbes Jahr später bereits der Einberufungsbefehl an die Front des Zweiten Weltkriegs. Gegen Kriegsende in Jugoslawien stationiert, verdankte er seinem damaligen Kompaniechef nicht nur sein Überleben, sondern auch die berufliche Karriere nach dem Krieg; als gelernter Buchdrucker, Schriftsetzer und Buchbinder war er bis zu seiner Pensionierung 1975 beim Ueberreuter-Verlag in Korneuburg beschäftigt. Nach dem Krieg siedelte sich Otto Filipsky in Retz an, zusammen mit den Kindern aus erster Ehe, seiner zweiten Frau und zwei weiteren Kindern bildeten sie fortan eine gemeinsame Familie. Acht Enkelkinder und drei Urenkel sollten noch folgen.

Im Retzer Vereinsleben war der Verstorbene ein fixer Bestandteil: Beispielsweise im Dorferneuerungsverein, als Geiger im Musikschulorchester und bis zu seinem 102. Geburtstag auch als aktiver Sänger beim Retzer Gesangsverein. Seit 1963 war Otto Filipsky jedes Jahr Teilnehmer bei der Diözesan-Männerwallfahrt der Kath. Männerbewegung in Klosterneuburg; bis zu seinem 102. Geburtstag war er auch regulärer Fahrgast im Mietautobus und ging gestützt auf seinem Gehstock die kilometerlange Wallfahrtsstrecke vom Bahnhof Klosterneuburg, Weidlingerstraße über die Agnesstraße zum Stiftplatz wie jeder andere mit. Erst als sich das hohe Alter allmählich bemerkbar machte, ließ er sich dann direkt zur Andacht am Stiftplatz chauffieren. 2016 brachte er es als 104-jähriger in einem Interview auf den Punkt: Die alljährliche Männerwallfahrt der KMB nach Klosterneuburg sei für ihn ein Pflichttermin, eine Kraftquelle, egal bei welchem Wetter.

Als Otto Filipsky mit 102 Jahren bei einer Call-In Gameshow eines privaten TV-Senders gewann, besuchte ihn ein Kamerateam zur Preisübergabe. Dachte man anfänglich an einen Routinejob – das hohe Alter des Gewinners entsprechend journalistisch verwerten und dabei bei jeder Gelegenheit die Eigenmarke des Senders besonders betonend hervorheben – sollte es ganz anders kommen: Man war sich von Anfang an sympathisch, zwischen Moderator und Gewinner entstand eine tiefe Freundschaft, statt genrebedingt oberflächlichen Kommerz entstand ein sehr persönliches Portrait des Gewinners, welches den Auftakt für jährlich wiederkehrende Besuche dieses Fernsehteams bildete. In diesen Kurzreportagen nahm der Verstorbene auch zu aktuellen Themen Stellung, wobei er sich ganz von seiner christlichen und katholischen Überzeugung leiten ließ.

Egal ob die jährlich stattfindende Luzernar (Lichtfeier) der KMB am dritten Adventsonntag in Zellerndorf, die KMB Dekanatsmännermessen in der Wintersaison oder das reguläre Gottesdienstprogramm in Retz: Mit seinem derartig konsequenten Gottesdienstbesuch stellte Otto Filipsky mit seinen über 100 Jahren oftmals so manchen vergleichsweise „Jungen" in den Schatten, der in seinem Alltag zwischen Terminnot und eigener Bequemlichkeit hin und her gerissen ist. Wenn Otto Filipsky einmal in einem Gottesdienst fehlte, dann musste schon etwas wirklich Gravierendes vorgefallen sein. Der Herrgott war ihm einfach wichtig. Und er wusste wohl, wem er sein ganzes Dasein und sein Überleben in den vielen Gefahrensituationen während der Kriegszeit in Wahrheit zu verdanken habe.

Fast genauso wichtig war ihm aber auch sein geliebter Fußballsport. Damals zu seinem 105. Geburtstag wurde er im ausverkauften Wiener Rapid-Stadion zu einer besonderen Ehrung auf die Spielfläche gebeten und von über 24.000 Zuschauern bejubelt.

 

Mögen sie ihn nun im Himmel mit demselben Jubel empfangen haben – in der ewigen Freude bei Gott!

 

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